Sommerjugendfahrt 2008

Vincent war zwölf, das Urgestein 72 Jahre alt. Alle anderen lagen altersmäßig irgendwo dazwischen. So gut gemischt brachen am 17. August 2008 wieder 27 Ruderer vom Spree-Ruder-Club Köpenick zur traditionellen Sommerfahrt auf. Die 200-Kilometer-Tour war Max Aust gewidmet. Er hatte alles vorbereitet und konnte doch nicht mit: Seine allerletzte Fahrt legte er im Einer zurück. Aber er war in unseren Köpfen und Herzen dabei.



Tag 1: SRC-Zernsdorf

Max hatte Zernsdorf als erstes Etappenziel gewählt. Nach 19 schönen Kilometern über Dahme, Zeuthener, Möllenzug- und Krüpelsee legten wir beim Ruderklub Zernsdorf an. Der Landdienst kam pünktlich, das Grillfeuer brannte bald. Aber nicht unterm Rost – das kann jeder. Unsere Halbstarken haben die glühenden Kohlen kurzerhand tiefer gelegt. Es war jedoch keine Innovation á la ‚Jugend forscht’, sondern zu viel Eifer beim Befächeln der Glut. Und Anlass für Gelächter. Später waren dann starke Nerven gefragt: Die Teens dachten einfach nicht ans Schlafen. Doch dafür gibt es ein probates Mittel: Nachtsport. Hock-Streck-Sprünge zu später Stunde oder auch Liegestütze lassen selbst die größte Klappe verstummen. Endlich Ruhe im Boot...



Tag 2: Zernsdorf-Köthen

Diese Strecke war mit 39 Kilometern die längste der ganzen Fahrt. Bisher passierten wir bereits fünfzehn Brücken und legten etliche Kanaldistanzen zurück. Eine Fahrt nach Venedig wäre teurer. Und mit weniger Fitness behaftet: Heute haben wir zwei Mal die sechs Boote umgetragen und in zwei Schleusen unseren Gleichgewichtssinn getestet. Die Köthener Jugendherberge war Tagesziel und ist ein prima Quartier. Neu renovierte Bungalows, saubere Sanitäranlagen, gutes Essen. Während die Erwachsenen ziemlich erschöpft aus den Booten krochen, stürmten die Knaben den Volleyballplatz. Sie sind einfach nicht totzukriegen. Auch die Mädchen feierten Wiedersehen. Tagsüber gleichmäßig auf die Boote verteilt, bleiben nur Abend und Nacht für den Austausch. Übrigens sind Himmel und Boote uns bisher gnädig: Sie halten dicht.



Tag 3: Köthen-Kossenblatt

Heute werden wir nach 22 Kilometern den Unterspreewald erreichen. Doch zuerst fuhren wir durch eine abwechslungsreiche Wasserwelt aus Seen und Kanälen und passierten Brücke Nummer 20. Mittagessen gab es auf der Halbinsel Raatzsch, einem wunderschönen Fleckchen Erde. Die Weiterfahrt über den Neuendorfer See sollte uns eine Erfindung erleichtern: Das Schirmsegeln. Man nehme Wind mit passender Richtung und Stärke, ruhiges Wasser und einen großen, windfesten Stockschirm. Erstaunlich, wie gut das geht. Wir hatten viel Spaß, zumal in dieser Situation auch noch andere Materialien als Segel getestet wurden. Der Schirm schlug alle. Später der historische Moment an der Spreeschleuse Leibsch: Nachdem wir zwei Schleusen im 45-Grad-Winkel passiert hatten, fuhren wir endlich stromabwärts und wieder in Richtung Berlin zurück. Doch vorher der Tagesstop an der Schleuse Kossenblatt. Von dort holte uns ein Bus ab und brachte uns zum Sportlerheim nach Beeskow, wo wir die Nacht verbrachten.



Tag 4: Kossenblatt-Beeskow

Nach einem reichhaltigen Frühstück bestiegen wir erneut einen Bus, der uns zu den Booten nach Kossenblatt zurück brachte. Die Spree entlang ruderten wir über den Glower und den Leißnitzsee, wo wir am Badestrand des Dörfchens Leißnitz Mittagspause einlegten. Das geplante Baden fiel leider aus: Es wehte ein kalter Wind und der Himmel zog sich zu. Ein paar Männer zogen los, um im Dorf den ‚Heiligen Gral’ aufzufüllen. Überhaupt der heilige Gral. Gewöhnlich in Farbe und Gestalt war er doch ein wichtiges Reiseutensil, denn er enthielt kaltes Bier für die Großen. Für alle anderen hütete Belinda die Motivationsbox: Ein großes Päckchen Süßigkeiten, gestiftet von einem Elternpaar. Immer dann eingesetzt, wenn die Kräfte nachließen. Nachmittags erneut im Beeskower Sportlerheim angekommen, hatten die Mädchen Sorgen: Einem war ein Fingernagel abgebrochen und unbedingt zu reparieren. Also zogen unsere fünf Grazien los und präsentierten am nächsten Morgen stolz ihre pinkfarbenen Lack-Kunstwerke.



Tag 5: Beeskow-Berkenbrück

Die heutigen 36 Kilometer legten wir bei absolut schönem und heißem Wetter zurück. Am Tageskilometer 16 mussten alle sechs Boote einzeln die Schleuse Neuhaus passieren, dann ging es über die Bootsschleppe Drahendorf weiter nach Berkenbrück. Ein schönes Etappenziel! Gleich am Strand gab es einen großen Kiosk mit gutem und preiswertem Essen. Unser Gepäck wurde die wenigen hundert Meter mit einem Auto transportiert. Diese Aufmerksamkeit passte gut zum Quartier: Es hatte Hotelcharakter. Von wegen Service-Wüste Brandenburg. Die Stimmung unter den Ruderern ist nach wie vor gut. Nur einige der Jugendlichen haben das Wanderrudern noch nicht als Teamsport begriffen, wo alle an einem Strang ziehen. Sie wollen nicht ziehen, sondern steuern. Aber sie wachsen sich noch zurecht. Ganz sicher.



Tag 6: Berkenbrück-Erkner-Jägerbude

Vor uns liegen 36,5 Kilometer, Brücke 42 und ein Jubiläum: Unser Senior wird heute zum 50. Mal den Fahrtenwettbewerb erfüllen. Ein Ereignis, das nicht jeder begehen kann. Die Tagestour gliederte sich in drei Etappen: Schleusen in Fürstenwalde, Mittagspause in Hangelsberg und Umtragen an der Großen Tränke. Dazwischen ging es die Fürstenwalder Spree und die Müggelspree entlang, eine etwas eintönige Strecke. Aber wir sind erstaunlich vielen kinderreichen Schwanenfamilien begegnet, was nicht ungefährlich sein kann. Schwäne sind gute und kämpferische Eltern. Vor lauter Anspannung vergaß einer der Steuerleute seine Pflichten und lenkte sein Boot unter tiefstehenden Ästen hindurch. Was für die Besatzung herbe Nackenschläge bedeutete. Aber sie hat es überlebt. Übernachten wollten wir auf dem Campingplatz Erkner-Jägerbude. Unser Landdienst half nicht nur beim Aufbauen der Zelte und versorgte uns mit Abendbrot. Elke sen. hatte auch ein Lied geschrieben. Für Sieke, unseren Ruderjubilar. Gemeinsam trugen wir es vor:

Am Sonntag will der Siegfried mit uns rudern geh’n, egal, wie wir das sehen, das wäre wunderschön. Am Sonntag will der Siegfried mit uns rudern geh’n, egal, ob Winde weh’n, das wäre schön.

Solchermaßen aufgekratzt krabbelten wir in unsere Zelte und ließen uns vom einsetzenden Regen in den Schlaf spülen.



Tag 7: Erkner-SRC

Es wehte ein kräftiger Wind, als wir zu unserer letzten Etappe aufbrachen. Wenigstens der Regen war abgezogen. Mit Blick auf das Wetter ließen wir die geplante Mittagspause in Gosen ausfallen und fuhren gleich weiter durch den Gosener Kanal zum Seddinsee. Das härteste Streckenstück: Der Wind kam aus der Gegenrichtung, das Wasser warf hohe Wellen und zu allem Überfluss mussten wir uns auch noch durch eine Segelregatta schlängeln. Wir waren ziemlich erschöpft, als wir beim ESV Schmöckwitz zu einer kurzen Pause anlegten. Danach ging es aber direkt durch bis nach Hause. Zumal wir schon erwartet wurden. Mit wahren Bergen von warmem Essen und Kuchen. Das ließ alle gehabten Strapazen vergessen. Nachdem die Mägen gefüllt und Boote gesäubert und weggeräumt waren, hieß es Tschüss sagen. Aber nur vorerst. Denn eines ist klar: Nächstes Jahr, gleiche Zeit, gleicher Ort. Wir freuen uns drauf!

Danke Max Aust! Und danke dem Landdienst, der zuverlässig zum Gelingen der Fahrt beigetragen hat!